Bewegende Lebensgeschichte
Nach Burn-out: Hiddenhauserin begeistert beim internationalen Speaker Slam
Katja Ruwwe berät Führungskräfte und will dazu beitragen, dass Führung gesünder wird. Dabei spielt auch ihre eigene berufliche Karriere eine wichtige Rolle.
Neue Westfälische, 3. August 2026
Hiddenhausen. „Wer andere sieht, darf sich selbst nicht übersehen“: Dieser Leitsatz steht auf einer Karte im Arbeitszimmer von Katja Ruwwe in Eilshausen. Mit dieser Botschaft hat die 48-Jährige jetzt am Internationalen Speaker Slam in Mastershausen (Hunsrück) teilgenommen.
Maximal vier Minuten hatten die Teilnehmenden dort Zeit, um das Publikum und die Experten-Fachjury von ihrem Thema zu überzeugen. Katja Ruwwes Rede drehte sich um das, was sie das belohnte Funktionieren nennt: das Muster, in dem genau die Leistung belohnt wird, die langfristig erschöpft. Ihre These: Das belohnte Funktionieren sehe nicht dramatisch aus, sondern wie Verlässlichkeit oder aufgeräumtes Geschirr um Mitternacht. Es ende erst, wenn man hinschaue.
Die Rückmeldungen fielen sehr positiv aus. Gelobt wurden die anschaulichen Beispiele, die klare Dramaturgie und Struktur sowie die Ruhe und Kraft, die Ruwwe ausstrahlte. Dass sie auch ihre eigene berufliche Geschichte um das belohnte Funktionieren in ihre Rede einbettet, kam bei den Zuhörenden besonders gut an, denn die ist bemerkenswert.
„Mir war klar, dass ich professionelle Hilfe brauche“
Rückblick: Viele Jahre geht es für Katja Ruwwe beruflich nur in eine Richtung: nach oben. Nach ihrer Ausbildung bei der Deutschen Bank zieht es sie nach Hamburg, wo sie als „Chief of Staff“ für das Unternehmen tätig ist. „Ich habe ein Geschäftsleitungsmitglied unterstützt, die Sekretärinnen geführt und weitere Führungskräfte koordiniert“, sagt die gebürtige Bielefelderin, die seit 2008 in Hiddenhausen lebt. Lange Arbeitstage bis um 22 Uhr waren keine Seltenheit, „auch am Wochenende habe ich oft gearbeitet“, blickt Ruwwe zurück, betont aber: „Das war Eigenantrieb und kein Zwang von außen.“
Dieser Einsatz fordert seinen Tribut, mit 27 Jahren setzt sie ein Burn-out 2004 außer Gefecht. „Diesen Begriff gab es damals noch nicht. Ich bin einfach zusammengebrochen“, erinnert sie sich. Zunächst habe sie versucht, einfach weniger zu machen, aber irgendwann habe der Körper einen Shutdown gemacht. „Da war mir klar, dass ich professionelle Hilfe brauche.“
Sie geht in eine Klinik mit direktem Anschluss an eine Tagesklinik und verbringt dort zwei Monate, ehe sie sich im April 2005 bereit fühlt, wieder zu arbeiten. Als sie jedoch die Tür zu ihrem Büro öffnet, bricht sie erneut zusammen, wird ohnmächtig. „Ich habe dann meinen Mann angerufen und ihm nur gesagt, dass er mich abholen soll“, erinnert sie sich. Anschließend dauert es nochmals sieben Monate, ehe sie wieder arbeiten kann – zunächst zwei Stunden am Tag zur Wiedereingliederung.
Klienten zweifeln an sich oder fühlen sich überfordert
Sie habe damals zwar gemerkt, dass sie wieder arbeiten könne, habe aber auch vieles infrage gestellt, sagt Katja Ruwwe. Sie bildet sich als Coach fort und berät seit rund 18 Jahren als „Leadership Coach“ und Expertin für Selbstführung Menschen in Führungspositionen. Diese kommen zu ihr, weil sie sich überfordert fühlen, zu hohen Erwartungen ausgesetzt sind oder an sich selbst zweifeln.
„Es gibt die Formel: Leistung = Potenzial – Störung. Manchmal sind wir voll in unserem Element und kaum zu bremsen, doch wir haben Störfaktoren, wie Zweifel, Ängste oder Überforderung. Diese Störfaktoren sind der Grund, warum Menschen zu mir kommen“, sagt die Hiddenhauserin. Doch wie schafft sie es, ihren Klienten zu helfen? „Ich will dazu beitragen, dass Führung gesünder wird“, beschreibt sie ihren Coaching-Ansatz. So solle eine Führungsperson nicht daran gemessen werden, ob sie immer erreichbar ist. „Ich unterstütze zu priorisieren und gemeinsam mit dem Klienten zu schauen, was er oder sie braucht, anstatt im Funktionsmodus einfach weiterzumachen und das Pensum immer weiter zu erhöhen.“
Das Ziel und mögliche Wege dorthin erarbeite sie gemeinsam, betont Ruwwe. „Ich schreibe niemandem vor, was er tun muss, sondern stelle Optionen auf und führe über Fragen zu Lösungen. Die Entscheidungen treffen die Klienten aber selbst.“ Das gelte auch für Unternehmen, die Ruwwe ebenfalls berät. Neben 1:1- Coaching bietet sie ihre Begleitungen auch in Kleingruppen oder als Einzelintervention an. Wie lange ein Coaching dauere, sei sehr unterschiedlich.
